Augusto Boal war etwas erstaunt, als ich ihn im Frühjahr 1997 bei einem Planungsgespräch in seinem Hotelzimmer in Toronto bat, bei unserer Europäischen Konferenz zum Legislativen Theater 23.-27. Oktober 1997 in München einen Workshop zu dieser Arbeit zu machen. Es gab erst ein brasilianisches Büchlein mit Skizzen dazu, und er hatte noch nicht an eine Anwendung in anderen Ländern gedacht.

In Linz hatten wir in den Jahren vorher die introspektiven Techniken ausführlich bearbeitet, wozu er den "Regenbogen der Wünsche" geschrieben hatte, und diese Techniken waren auch in Toronto gefragt, zum Teil von Kollegen schon modifiziert. Nun war das englische Buch zum Legislativen Theater in Arbeit, unsere Ergebnisse sollten dort das Schlußkapitel bilden: Symbolism in Munich.

Aus den Rundbriefen des CTO Rio hatte ich deren Arbeiten unter dem Mandat Boals mit den Gruppen der Bevölkerung übersetzt und stellte diese politische Arbeit in den Vordergrund unserer Tagung, zu der sich auch TheaterkollegInnen aus Brasilien, Frankreich, Italien, Kroatien, Österreich, den Niederlanden, Schweden und Finnland angesagt hatten.

Eine spätere Überraschung war die politische Entwicklung, die in kurzer Zeit unsere Szenen einholte: Von der Verkürzung der Frist bis zur eigenständigen Aufenthaltsberechtigung bis zur gleichgeschlechtlichen Partnerschaft und die Verteidigung der alten Sportanlagen und der Bürgerräume gegenüber dem Fußballstadion hat sich erstaunlich Schnelles bewegt, andere Themen wie Sozialleistungen und Asyl und eine nie vollendete Szene zum Rassismus sind dagegen noch sehr offen. (siehe auch: Nachwort in "Theater im Dialog")

Inzwischen gibt es neue Entwicklungen dazu: Lightning in Graz und Thunder and Lightning in den Niederlanden: siehe http://theatreoftheoppressed.org

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