Eine Erinnerungsperformance zur "Machtergreifung" zum 30. Januar 1995 initiierte der Münchner Künstler Wolfram Kastner. Zwei Männer in SA-Uniform (Michael Bischof, Fritz Letsch) führten fünf Personen (Wolfram Kastner, Edgar Liegl, Brigitta Oberhauser, Hiltraud Pusch-Zilker, Peter Thalheim, Bertl Lörcher (†) mit dem Davidstern durch Münchens Innenstadt. Die Polizei sah in der Aktion eine unangemeldete Demonstration und nahm Kastner und seine sechs Kollegen fest.

Vom Hinweis der Veranstalter, dass es sich um eine nicht genehmigungspflichtige Kunstaktion handele, ließen sich die Ordnungshüter nicht beeindrucken. "Was damals vor aller Augen geschah, daran ist heute vor aller Augen zu erinnern - ohne zu verharmlosen oder aufzubauschen, und ohne ein falsches Bemühen um volle Authentizität. Den Transfer zu heute muss jeder selbst herstellen." (Wolfram P. Kastner)

Der Staatsanwalt stellte dreimal Strafantrag gegen Wolfram Kastner wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz sowie wegen des Tragens verbotener Abzeichen. Das Baureferat der Landeshauptstadt München wies den Antrag auf Genehmigung einer ähnlichen Kunstaktion ab, mit der Begründung, die "körperliche und seelische Unversehrtheit" von Passanten sei damit gefährdet, da sie nicht unterscheiden könnten, ob es sich bei dieser Erinnerungsperformance um Realität handele.

Als die Presse diese Zensur kritisierte und die grüne Bürgermeisterin sich für die Genehmigung stark machte, nahm der Oberbürgermeister das Verbot zurück. Daraufhin floh der Richter vor der von ihm angesetzten Verhandlung und der Staatsanwalt erkannte bei so viel Öffentlichkeit "kein öffentliches Interesse mehr an der Strafverfolgung". Als ein anonymer Drohbrief an die Frau eines Bekannten einging, interessierten sich dafür weder der Staatsanwalt noch die Stadtverwaltung.

Bei der Erinnerungsperformance zur "Reichspogromnacht", an der sich auch der ehemalige KZ-Häftling Bertl Lörcher (†) beteiligte, wurden wir von 20 zivilen Polizisten umringt, ständig von einem Kameramann der Polizei gefilmt und von einem uniformierten Streifenkommando gestoppt. Wir konnten zwar auf Intervention der Politischen Polizei die Aktion zunächst fortsetzen, wurden aber nach 45 Minuten zum Abbruch gezwungen, mit dem Hinweis "so jetzt habt's euern Spaß gehabt; jetzt reicht's".

Mit Foto der Performance von 1993 mit Edgar Liegl auf www.peterpich.de/Kastner/wk-erinnern.htm


Die Performance 1995 wurde vom damaligen ZEIT-Fernsehen von der Vorbereitung ab gefilmt und steht auf youtube,

auf dem Stand-Bild die beiden Polizisten, die uns wegen Hakenkreuz-Binde am Arm verhafteten,

aus dem Fenster sieht man die aufmerksamen Passanten, die deutlich erkennbare Filmkamera und unser verlangsamtes Verhalten machten die Performance erkennbar:

Sichtbar gemacht wurde die Verhaftung der jüdischen Stadträte der Landeshauptstadt München, und ihr Transport ins Konzentrationslager Dachau,

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